Der Rennsteig ist einer der bekanntesten Wanderwege in Deutschland mit einer Länge von etwa 170 km. Er durchzieht den Thüringer Wald von Hörschel nach Blankenstein in Süd-Ost-Richtung.
Bei Wikipedia findet man folgenden Verlauf als Karte dargestellt:

Quelle der Karte: Von Lencer - Eigenes Werk, used:Generic Mapping Tools and SRTM3 V2-files for reliefOpenStreetMapGoogle Earthhttp://rennsteig.net/radwege/rennsteig/Minimap made with Karte_Bundesrepublik_Deutschland.svg, GFDL, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7777862
Ich habe meinen neuen Rucksack gepackt mit allen vertrauten Dingen des Jakobswegs, aber modifiziert nach dieser Strecke und Jahreszeit. So brauche ich also keinen Sonnenschutz und dafür eher eine Pudelmütze usw. Die neuen Schuhe hatte ich bei kleineren Touren und bei der Arbeit schon eingelaufen und nach den gestrigen 22 km der 2. Kensho Wander Tour sollten die jetzt wirklich einsatzbereit sein.
Anreise:
Beim Startpunkt in Hörschel habe ich telefonisch noch ein Zimmer im Tor zum Rennsteig reserviert. Wie kommt man nach Hörschel, einem Ort in der Nähe von Eisenach? Die Bahn machts möglich:
| Zeit |
Zug |
Richtung |
Von |
Bis |
| 17:24 - 19:36 |
ICE 773 |
Stuttgart |
Hamburg Hbf |
Kassel-Willhelmshöhe |
| 20:14 - 20:58 |
CAN 24233 |
Fulda |
Kassel-Willhelmshöhe |
Bebra |
| 21:04 - 21:30 |
CAN 24171 |
Eisenach |
Bebra |
Hörschel Hp |
Dauer: 4:06, 2 x Umsteigen, Spar-Preis mit 100% Öko-Strom und Zahlungsmittelpauschale: 71,40 Euro
Dies sind die geplanten Etappen - ein Klick aufs Datum führt direkt zum Tagesbericht:
| Etappe |
Datum |
Tag |
Von |
Bis |
Distanz |
| |
30.10.16 |
So |
Anreise nach Hörschel |
|
| 1 |
31.10.16 |
Mo |
Hörschel |
Grenzwiese |
34 km |
| 2 |
01.11.16 |
Di |
Grenzwiese |
Grenzadler (Oberhof) |
33 km |
| 3 |
02.11.16 |
Mi |
Grenzadler (Oberhof) |
Neustadt am Rennsteig |
28 km |
| 4 |
03.11.16 |
Do |
Neustadt am Rennsteig |
Neuhaus |
29 km |
| 5 |
04.11.16 |
Fr |
Neuhaus |
Grumbach |
35 km |
| 6 |
05.11.16 |
Sa |
Grumbach |
Blankenstein |
17 km |
| |
05.11.16 |
So |
Rückreise und Nachbetrachtung |
|
Begleiten wird mich allein der Wanderführer von Kompass, der neben einer separaten Karte auch Informationen zu Sehenswürdigkeiten, Unterkünften, Distanzen und Höhenprofilen anbietet:

Das Wetter:
Nicht ganz unwichtig ist natürlich das Wetter. Was sagt die Wetter-App von Wetter Online dazu? Direkt kuschelig wird es wohl nicht, aber ich kenne das schon. Zur Not breche ich nach 2 Tagen Dauerregen wieder ab. Der Optimist rechnet damit, dass das Wetter wieder besser wird. Ich freue mich jedenfalls schon auf Sonntag mit Doppelschnee, 80% Niederschlagswahrscheinlichkeit und nix mit Sonne. Nur die Harten kommen in den Garten. Vielleicht sollte ich doch noch mal meine Schuhe nachfetten :-)
So, geht los... :-)

Abreise am Hauptbahnhof in Hamburg.

Vier Stunden später nach der Ankunft in Hörschel. Alles wirkt ausgestorben und menschenleer. Keine Autos und keine Passanten zu sehen.

Das Schild verrät aber, dass ich hier richtig bin.

Wegen der Dunkelheit gibt es jetzt keine weiteren Bilder mehr. Die Pension habe ich gefunden. Mein Einzelzimmer hat zwei einzelne Betten und eine saubere Dusche. Zusammen mit einer Art Kurtaxe sowie Frühstücksbuffet zahle ich hier 36 Euro. Was will man mehr? Nun sitze hier in der Dorfkneipe und trinke ein Feierabendbier ohne Pilgermenü :-) Morgen gibt es sicher mehr zu berichten.
Gut gelaunt, satt und voller Tatendrang mache ich mich auf den Weg. Die Strecke bzw. die Etappen sollten kein Problem sein und das Wetter spielt hoffentlich auch mit. Ich bin gespannt, wie dieser Weg so funktioniert. Wer ist noch unterwegs. Wie ist die Infrastuktur auf dem Weg Anfang November 2016? Nun geht es los.

Das "Tor zum Rennsteig", meine erste Unterkunft. Hier gab es am Abend ein Bier. Die Unterkunft ist sehr sauber und in Ordnung. 37,50 Euro für ein EZ mit Frühstück, Tourismus-Abgaben sowie einem Kleinweizengebäck (Brötchen) für den Weg. Ist ok.

Aus diesem Trog konnte man sich bedienen, d.h. einen Stein aussuchen, um ihn mit nach Blankenstein zu schleppen und ihn dort in die Saale zu schmeißen. Ich habe einen kleinen genommen, der wie Granit aussieht. So sei es.

Typischer Rennsteig-Wegweiser. Hier mit viel Plümkrams dran :-) Die Ausschilderungen sind wirklich top - "typisch Deutsch", möchte man fast sagen.

Hier geht es los in Hörschel. Nebem dem Wegweiser von oben muss man eigentlich nur nach einem weißen "R" suchen und dann weiß man, dass man auf dem richtigen Weg ist.

Dies ist eine der typischen Schutzhütten, die man hier ständig trifft und die sich gut für eine Rast eignen. Sicher sind die auch dann nützlich, wenn man warten muss, bis ein Regen- oder Schnee-Schauer vorbei gezogen ist.

Hier ein sehr wichtiger Ort Deutscher und Europäischer Geschichte: Die Wartburg. Hier arbeitete Martin Luther. Was genau er alles vollbrachte und was das letztlich für Folgen hatte, bitte bei Wikipedia nachlesen.

Lecker Salat in der Mittagspause um 11:30 Uhr. Liebe Kollegen, in Gedanken war ich bei Euch in Kantine 1. Ich vermisste eigentlich nur den lappigen Spargel aus dem Glas - wie beim Camino :-)

Tolle Waldwege, ab mittags sogar mit Sonne. Zurzeit wird hier viel Holz (Fichten?) gefällt und am Wegesrand zwischengelagert.

Wem fällt es auf? Was ist an diesem Wegweiser anders als sonst?

Yeah, its me - I was here !!!

Weite Landschaften, wenn mal kein Wald den Durchblick stört. Das ist ein gutes Augen-In-Die-Ferne-Seh-Training. Fokus umschalten vom linken Auge zum rechten und wieder zurück.

... und dann wieder unebene Waldwege. Man muss hier wieder auf jeden Schritt achten. Ständig tritt man dem Bäumen auf die Füße. Wurzeln können Halt geben, aber man kann auch sehr leicht über sie stolpern.

Nach 34 km wieder eine Unterkunft in einer Retroartigen-Pension. Hier mein Einzelzimmer - einfach und gut. Eine heiße Dusche, kümmern um die Füße, ruhen und dann was futtern.

Vorweg ein kleiner Salat...

...dann etwas Fischfilet mit Pommes und "Salat-Arrangement".

Ich bekam noch Besuch von einer Mieze. Sie wollte nur bedingt schmusen. Ihr war eher nach Fisch zumute, vermutete ich. Gute Nacht!
Kommentar:
#1 — Lieber Michael. Am 31.10. in Hamburg Sonne. Heute trüb, Nieselregen. Die erste Hürde hast du ja schon geschafft. Wie wir dich kennen, reist du die Strecke auf einen Pobacke ab. So ein Kämpfer wie du, der die 900 Km bei extremen Bedingungen in Spanien bezwungen hat. Die Sonne soll dich begleiten, wenn auch schon kühl, aber bitte trocken. Lieber Michi, wir wünschen dir eine erlebnisreiche Tour, bleib gesund, Herzliche Grüße Rosi und Heinz
Der Tag heute war eigentlich recht unspektakulär. Anstatt der 28 km bis Grenzadler sind es doch etwa 33 km geworden, weil ich mich etwas verlaufen hatte und dann in Oberhof mit einigem Gelaufe ein Hotel finden musste. Dafür war das Wetter durchgehend schön und sonnig. Das war eine recht einsame Tour, was mir sehr gelegen kam. Ich überholte niemanden und niemand überholte mich. Auf dem Rennsteig scheint nicht viel los zu sein.

Meine Pension "Haus am Reitstein" der vorherigen Nacht. Vielleicht sollte man diese Art von Pensionen gar nicht modernisieren, sodern direkt in DDR-Retro lassen und eher ein paar Bilder von Erich wieder aufhängen. So könnte auch der Wessi sehen, wie das früher mal aussah.

Schönes Licht am Morgen.

Tja, hier liegt Willy oder das, was von ihm 1944 übrig blieb.

Noch ein interessantes Lichtspiel im Wald. Von rechts waberte noch feiner Nebel durchs Bild, was hier aber nicht zu erkennen ist.

Dieser Baum war sicher mal imposant. Er wirkt immer noch imposant, auch wenn er nun so langsam von Pilzen wieder dem natürlichen Kreislauf der Natur zugeführt wird.

Hier wieder mal ein Blick in die Ferne...

Mein Weg war heute über weite Strecken mit diesen Rot-Schwarzen Stangen makiert. Das sind sicher die Markierungen der Ski-Langlauf-Loipen der Athleten, wenn bald wieder Schnee liegt. Für Morgen ist sogar etwas Schnee vorher gesagt.

Diese Fällmaschine erscheint mir unglaublich gnadenlos, dabei ist sie einfach nur sehr effektiv. Sie greift den Stamm einer Kiefer weit unten, dann fährt eine Kettensäge aus und sägt den Stamm durch. Dann zieht die Maschine den Stamm durch die Greifer und trennt automatisch alle Äste ab. Danach zersägt sie dem Stamm in beliebige aber exakte Längen und stapelt diese auf Haufen... Das gleiche passiert so oder ähnlich gerade im Regenwald für unser Soja und Palmöl :-(

Selfie mal mit Brille !

Ab hier wird vor der Sportlern gewarnt, die hier ihr Unwesen treiben und dabei sogar Vorfahrt haben.

Erkennt Ihr ihn, den Athleten auf Rollen?

Bei mir gibt es, während ich diese Seite bearbeite, erst mal einen schönen Kaffee. Der tut gut!

Wetterprognose von der Apple-Wetter-App.

Dies ist die Prognose von Wetter Online. Hoffentlich haben die recht.
Kommentare:
#1 — Hallo Michael. Das sind aber Aufnahmen. Die Bilder im Wald, der leichte Nebel und die Sonnenstrahlen. Auch die Unterkünfte, ich bin erstaunt. Einfach toll. Mach weiter so. Da kommt beim Wander Freude auf. Gut´s Nächtlie und frohes Erwachen.
Es grüßen Rosi und Heinz
#2 — Micky, ich bin bin immer total erfreut und überrascht, was man
sehen kann, wenn man zu Fuß unterwegs ist, Vom Autofenster aus sieht man auch Schönes, aber zu Fuß ist die Natur umwerfend. So Schönes wirst du immer in Erinnerung behalten. Ich hoffe, du hast einen schönen Weg heute und keine gefährlichen und freischwebenen Sportler auf deinen Weg. Es grüßt dich deine Mutter
Das Wetter macht, was es will, aber der Geist kommt zur Ruhe. Weniger Action und Hingucker, aber dafür mehr treiben lassen. Das war so die Devise des Tages und eigentlich auch die der Reise.

Das "Sporthotel Oberhof" hatte sogar ein Schwimmbad und eine Sauna, aber ich war dafür zu müde.

Da muss damals ordentlich etwas los gewesen sein, wenn sogar die rote Armee half, den Borkenkäfer zu bekämpfen.

Das Ehrenmal dazu.

Anfänglich ließ sich die Sonne blicken, aber leider nicht länger.

Dies ist die weite Aussicht in ferne Täler und Gipfel. Wegen des Nebels kommt das aber nicht so richtig rüber :-)

Der Nebel hielt nicht lange und dann schneite es plötzlich. Zum Liegenbleiben war es ihm aber noch zu warm. Die Leistungs-Wintersportler aus Oberhof haben sicher einen Sekt aufgemacht.

Canis Lupus wohnt hier irgendwo. Ich habe ihn aber leider nicht getroffen. Dafür sind Wölfe zu scheu. Jeder Jäger würde wohl vor Freude geifern, wenn er einen von ihnen mit seinem Präzisionsgewehr aus dem Hinterhalt erschießen könnte.

Bergfest. Die Hälfte ist geschafft. Wie ermittelt man wohl die Mitte eines ca. 170 km langen Weges, der ständig auf und ab geht und dazu noch diversen Kurven folgt? Das würde mich wirklich interessieren.

Ein bunter Punkt am Wegesrand.

Endlich wieder richtige Wanderwege - da lacht das Pilgerherz :-)

Ein Haus, das vollständig mit schwarzem Schiefer verkleidet ist. Ich bewundere alle Handwerker, die eine solche Kunst beherrschen.

Das heutige "Hotel Kammweg" in Neustadt am Rennsteig. Das Personal ist sehr nett und hilft mir beim Trocknen der Wäsche, die ich mit der Hand gewaschen hatte.
Kommentare:
#1 — Das soll keine Abwertung sein sondern die Achtung für die Leistung von Füßen und Schuhen. Wie bekommst du den Lehm wieder ab ubd hast du einen Föhn zum Trocknen dabei.
Es wird kälter und vielleicht bleibt bis zum Wochenende auch Schnee liegen. Erhole dich gut. Viel Glück für morgen. Deine Mutter
#2 — Hallo, lieber Michael.
Nun hat dich der Matsch wieder eingeholt.
Aber an ein Schwimmbad und Sauna war in Spanien nicht zu denken. Die bunten Pilze am Wegesrand sind ja verlockend, die kann man aber nur einmal essen. Es ist doch schön, immer wieder eine gute Herberge zu finden, wo man dich net empfängt, damit dein Zeug trocknet für den weiteren Weg.
In der letzten Nacht hatten wir hier auch schon Minus Grade, Dächer und Rasen waren mit Raureif bedeckt. Alles Gute für die nächsten Tage, wünschen Rosi und Heinz
Spät um 8:30 Uhr bin ich heute satt und zufrieden bei -1 Grad C und schönsten Wetter gestartet. Wieder traf ich keine anderen Wanderer, sondern nur ein paar Spaziergänger. 99% der Zeit bin ich also ungestört für mich allein. Nicht jeder kann sich das vorstellen, aber für mich hat das einen besonderen Reiz. Alle Lokale unterwegs waren geschlossen und da ich nicht in einer feuchten und kalten Schutzhütte mein Pausenbrötchen essen wollte, wanderte ich bis zum Ziel ohne Pause durch. Ich hatte nicht einmal echten Hunger unterwegs...

Schönstes Wanderwetter bei -1 °C. Andere Hotelgäste kratzten derweil noch ihre Autoscheiben frei.

Irgendwo sah ich unterwegs mal Heidschnucken, aber anscheinend sind - bis auf diese Kühe hier - sämtliche freilebenden Viecher wie Wildschweine, Rehe, Wölfe und alle Vögel bereits im Süden im Urlaub.

Dezenter Morgenschnee auf den Blättern einiger Pflanzen.

Da kann ich nur den Kopf schütteln. Wer montiert eine Steckdose an einem Baum und schlägt dazu noch Schellen für die Kabel in die Rinde? Ich finde das dem Baum gegenüber sehr respektlos :-(

Dies ist ein besonderer Grenzstein von drei historischen Ländern bzw. Herzogtümern.

Von diesen und ähnlichen Grenzsteinen gibt es über 1000 Stück auf dem Rennsteig. Sie sind zum Teil Jahrhunderte alt und häufig sehr verwittert. Dieses Exemplar von 1728 (?) fand ich aber sehr schön.

Müde aber lächelnd. Der rote Regenponscho verrät, dass ich auf alle Arten von plötzlichen Niederschlägen vorbereitet bin - wie auf dem Camino :-)

Appropos Camino: In dieser Gehend sah ich häufiger Symbole des Jakobswegs. Ich muss mal schauen, welcher Jakobsweg hier parallel verläuft.

In meinem heutigen "Rennsteighotel Herrenberger Hof" gab es vor dem Essen als Gruß aus der Küche zwei selbstgebackene Brote, sechs Sorten Öl sowie sechs Sorten Salz. Noch besser waren aber die beiden Saunagänge vorweg. Ich bin übrigens der einzige Gast hier. Nix los auf dem Rennsteig, obwohl ganzjährig begehbar.
Kommentare:
#1 — Es erstaunt einen Wegweiser in zwei gegenteilige Richtungen zu sehen. Welchen bist du gegangen? Stekdose im Wald kann nur bedeuten, dass man sein Handy für einen Notruf laden kann. Oder geht es um eine" Notrasur " vor dem nächsten Hotel? Ich habe gesehen, dass man Fotoaparate in Bäume schlägt um bei Auswilderung von urmals angestammten Wildtieren den Erfolg zu dokomentieren. Den Rest des Weges schaffst du! Hoffentlich wird es nicht so kalt!
#2 — Der Rennsteig ist in beide Richtungen ausgeschildert. Ich las mal, dass man in den geraden Jahren in Hörschel startet und in der ungeraden Jahren in Blankenstein. Zufällig mache ich es "richtig" 
Heute war wieder einmal mehr ein sehr unspektakulärer, aber deshalb toller Tag. Gut frühstücken, Motor anschmeißen, gut motiviert und neugierig losgehen und schauen, was kommt - mehr nicht, das reicht.

Das "Rennsteighotel Herrenberger Hof", in dem ich der einzige Gast war und ein reichhaltiges, leckeres und gesundes Frühstück hatte.

Wieder eines der vielen mit Schildern verkleideten Häusern. Auch die Dächer sind so geschützt. Die Passanten werden allerdings durch kleine Schilder mit der Aufschrift "Vorsicht Dachlawine" gewarnt. Vermutlich neigt der Schnee dazu, ab einer gewissen Menge, in Form von einer Lawine vom Dach zu rutschen,

Auch an diesem Tag hatte ich wirklich (wieder) Glück mit dem Wetter. Keine Niederschläge und sogar Sonne am Vormittag.

Hier im unteren Teil des Rennsteigs sah ich häufiger Wiesen mit Kühen darauf. Auf dem Bild erkennt man ganz klar Mutter und Kind, die hier zusammen neugierig schauen, was der Wanderer da so vor hat. Bin gespannt, wann wir sie als soziale und fühlende Wesen anerkennen und nicht nur als milchgebende Bestandteile einer völlig überbordenden Milchindustrie.

Dies ist wohl der Chef der Wiese

Weitere Mitglieder der Kuhfamilie, die hier auf irgendwas warteten und mich trotzdem neugierig beäugten.

Mehrfach durchkreuzte der Rennsteig Thüringisches und Bayrisches Gebiet. Erst nach dem Mauerfall konnte er wieder in einem Stück begehbar gemacht werden. Die Menschen sorgten sehr schnell dafür, dass dies wieder möglich wurde.

Erinnerungstafel an die erste Wanderung nach der Wiedereröffnung des Rennsteigs am 28.04.1990 - die Mauer fiel ja erst am 09.11.1989.

Bevor das Gebiet unter anderem auch für den Rennsteig passierbar wurde, mussten erst diverse Sperranlagen der DDR beseitigt werden. Dazu zählten ja auch elektrische Zäune und sonstige Sperren. Gab es nicht auch Mienenfelder? Die Menschen kamen sehr schnell wieder zusammen.

Dies war wieder so ein Beispiel wie wechselhaft das Gebiet am Rennsteig ist. Man geht also eben noch an Kuhwiesen vorbei und die Wegweiser weisen einen den Weg in einen Wald. Nach nur 5 m steht man plötzlich in diesem und sieht eine komplett andere Welt und man möchte fast lauschen, ob man Elfen und Feen wahr nimmt oder ob in der Ferne irgendwelche Zwerge am Werkeln sind :-)

Für dieses Chaos sind wohl Wildschweine verantwortlich, aber es ist ja auch ihr Wald. Gesehen habe ich sie aber nicht. Da aber keinerlei Reifenspuren erkennbar waren, müssen 2-oder 4-Beiner dort gefühlt haben - oder doch gar Rieseninsekten?

Grumbach ist nach 35 km erreicht. Wäre die Dämmerung nicht langsam hereingebrochen und hätte es in 5-10 km noch eine Unterkunft gegeben, hätte ich noch weiter wandern können und das ohne Mittagessen zwischendurch. Es ist schon wunderlich, woran sich der Körper so gewöhnen kann, wenn der Geist mitspielt und man auch auf Genussmittel wie Alkohol und Zucker komplett verzichtet. Seid 4 Wochen esse ich übrigens testweise keinen Industriezucker mehr und schaue mal, ob das eine positive Wirkung auf mich hat.
Kommentare:
#1 — Hey Micky, wie schade, dass das mit den Bildern nicht geklappt hat. Aber bei den bereits zurückgelegten km sind die für morgen schnell abgerissen. ich hoffe auf Sonnenschein und weiterhin für eine tolle Landschaft. Auf ,auf in die Schuhe. Ichfreue mich auf morgen. Deine Mutter
#2 — Hallo Michael.
Wir denken, auf dieser Wanderung war es doch etwas einsamer.
Du als einziger Gast im Hotel, auf den Wegen schauen dir die Kühe nach, wanderst du oft alleine?. Da war es in Spanien doch etwas lustiger, warst öfter mal in Gesellschaft. Na ja, die letzten Km sind bald geschafft und dann auf die Bahn und ab in die Heimat. Deine Mutter, die Schwester, alle Freunde und wir freuen uns auf ein Weidersehen. Komm gut Heim, alles Gute Rosi und Heinz
Heute war das FInale der Rennsteigwanderung. Dadurch, dass ich gestern so ein großes Stück schaffte, blieben nur 17 km übrig, welche ich allerdings komplett im leichten Regen erledigen musste. Auf den letzten 5 km traf ich noch das Wanderpärchen Chrsitine & Harald wieder, mit denen ich gemeinsam den Rest wanderte. Die rund 165 km zuvor war ich komplett allein unterwegs und nun war es mal ganz nett, sich mit anderen Wanderern auszutauschen, die den gleichen Weg gingen. Viele gab es davon ja nicht.

Meine letzte Unterkunft: Das "Gasthaus zum Frankenwald". Das Haus selbst muss schon uralt sein. Der Besitzer hat in seinem Leben schon über 100.000 Bierflasche-Etiketten gesammelt und er kümmert sich ein wenig um die Geschichte des Ortes Grumbach. Man konnte bei ihm nachlesen, wann die Amerikaner im Krieg diesen Ort erreichten, wie anschließend die Russen kamen, eine Ortsleitung installierten und wie es dann weiter ging.

Den Gastraum musste ich doch noch fotografieren, weil ich selten so etwas altes und unverändertes gesehen habe. In sich ist alles stimmig und gemütlich.

Einige der Etiketten und Kapseln schmücken den Raum.

Beim Wandern ist für mich ein gutes Frühstück sehr wictig. Das gab es hier. Was will man mehr?. Käse wird hier auf einer Schieferplatte serviert.

Ok, das Wetter wird sehr bescheiden werden, aber ich will nicht meckern. Alle Tage zuvor hatte ich keine nennenswerten Niederschläge erleben müssen und somit wirklich Glück gehabt. Anfang November kann hier schon richtig viel Schnee liegen und dann wäre die Wanderung sicher ganz anders verlaufen. Der Thüringer Wald gilt ja auch als schneesicherstes Gebiet in Deutschland. Die Prognosen für die nächsten Tage sehen ja auch schon ganz anders aus...

Noch einmal ging es durch offeneres Gelände...

...und waldige Abschnitte. Alles im Dunst und feinem Dauerregen.

Der Zielort "Blankenstein" ist erreicht.

Merkwürdiger Weise nenen sich die beiden Orte Hörschel und Blankenstein "Rennsteigbeginn". Keiner von beiden Orten versteht sich als "Rennsteigende". Tja.

Hier mein Stein aus Hörschel, der nass wie Granit aussah. Er ist übrigens für das Foto auf der Handytasche von Catharina gebettet.

Die Selbitzbrücke, die über die Saale führt, ist jedenfalls das Ende "meines" Rennsteigs und versehen mit einigen Wünschen und Hoffnungen habe ich hier meinen Stein in die Saale hinein geworfen.

Ankunft um 12:15 Uhr in Blankenstein bei +7°C. Dies ist Blankenstein vom Bahnhof gesehen. Sicher gibt es auch schönere Ecken, als diese hier mit der Zellstofffabrik im Hintergrund. Ich hatte nasse Schuhe und nasse Hosenbeine und leider konnte mir keiner der Einheimischen eine Lokalität nennen, in der man eine heiße Suppe oder gar einen Kaffee bekommt und so beschloss ich, meinen Plan, am gleichen Tag wieder nach Hause zu fahren, umzusetzen. Der Bahnhof hatte gar nichts, nicht mal eine Wartehalle und ich muss ehrlich sagen, dass man Wanderer, die hier nach rund 170 km ankommen, freundlicher empfangen könnte - auch im November.
Kommentare:
#1 — Toll, dass du die letzten Bilder noch nachgeliefert hast. Kein sehr gastlicher Ort. Kann mir gut vorstellen auf Flucht eingestellt zu sein. Herzlich Willkommen in Hamburg. Deine Mutter
#2 — Hallo Michael.
Schnell in den Zug und ab nach Hamburg. Unser Wetter ist aber auch nicht viel besser. Aber da bleibt man eben mal drinnen und schaut sich dann die Bilder deiner Reise im Computer an. Wir wollen gleich Kaffee trinken und eine Scheibe Kürbisbrot dazu essen. Heimische Grüße Rosi und Heinz
Rückreise von Blankenstein nach Hamburg:
Abgesehen davon, dass der ursprünglich versprochene Sparpreis für eine der möglichen Rückreisevarianten mit verschiedenen Zügen kurzfristig von 76 Euro auf 99 Euro erhöht wurde, war die Rückreise zwar langwierig, aber ganz unproblematisch.
| Zeit |
Zug |
Von |
Bis |
| 13:38 - 14:55 |
EB 81042 |
Blankenstein (Saale) |
Saalfeld (Saale) |
| 15:36 - 18:30 |
IC 2356 |
Saalfeld (Saale) |
Berlin Hbf (tief) |
| 19:06 - 21:15 |
EC 172 |
Berlin Hbf (tief) |
Hamburg Hbf |
Dauer: 7:37, 2 x Umsteigen, Spar-Preis inklusive Zahlungsmittelpauschale: 100,65 Euro
Was der Spaß gekostet hat:
Die Aussrüstung war schon komplett vorhanden und für rund 5,- hatte ich noch Verpflegung wie Studentenfutter und ein kleies Karo-Schulheft als Tagebuch besorgt:
| Kosten |
Verwendung |
| 71,40 Euro |
Bahnticket Anreise |
| 100,65 Euro |
Bahnticket Rückreise |
| 466,25 Euro |
Unterkünfte und Verpflegung |
| 5,00 Euro |
Sonstiges |
| 643,30 Euro |
Gesamtsumme |
Und sonst?
Mir hat die Tour großen Spaß gemacht. Sie war körperlich anstrengend, aber durch die hervorragende Ausschilderung, könnte man die Seele baumeln lassen. Der Kopf war nicht ständig mit einer komplizierten Wegsuche beschäftigt. Weil ich fast keine anderen Wanderer oder Spaziergänger traf, gab es ebenfalls nur wenig externe Ablenkung. Fast kein Mensch scheint den Rennsteig in der Zeit Ende Oktober / Anfang November zu besuchen. Das Wetter war mir ebenfalls gnädig, da ich bei fünf von sechs Etappen nicht mit nennenswerten Niederschlägen zu Kämpfen hatte. Nur der letzte Tag war wirklich nass. Man muss außerdem berücksichtigen, dass bei weitem nicht alle Unterbringungen und Lokale am Wegesrand geöffnet haben, weshalb es sinnvoll ist, immer mit etwas Proviant (z.B. 1 x Brötchen sowie 2 x 0,5 Liter Wasser) auf den Weg zu gehen. Ich habe darüber hinaus immer ein Packung Studentenfutter dabei. Wer z.B. für den Jakobsweg "Camino Frances" (ca. 800 km) üben möchte, ist mit dem Rennsteig sehr gut bedient, da die Steigungen und die Höhe der Wege ähnlich sind und sich auch durch verschiedenartigste Untergründe von "gut-gehbar-eben" bis "glitschig-steinig" ähneln. Wer kopfmäßig mal eine Woche Auszeit benötigt, für den eignet sich der Rennsteig ebenfalls sehr gut. Ich bin schon gespannt, wo es mich als nächstes hinzieht.